Typography Nerd

Schuster­junge und Huren­kind

Absatz-Fauxpas vermeiden und im Griff haben — Hinter den Schimpfwörtern „Hurenkind“ und „Schusterjunge“ stecken keine persönlichen Beleidigungen, sondern sind vielmehr Fachbegriffe in der Typografie, die Absatz-Fauxpas beschreiben.

Begriffe wie Hurenkind oder Schusterjunge sind für Layouter, Grafikdesigner und Typografen bekannte Bezeichnungen für die Satzarbeit. Mittlerweile wird jedoch für Schusterjunge das wohler klingende Wort Waisenkind eingesetzt. Ebenso wird für Hurenkind (auch kurz Huki genannt) nun vermehrt Witwe als Bezeichnung verwendet.

Beide Bezeichnungen stehen für Verbote in der Satztechnik, wobei ein Hurenkind gar nicht erlaubt ist und ein Schusterjunge durchaus mal in Notsituationen vorkommen darf.

Der Schusterjunge bzw. das Waisenkind

Ein Schusterjunge ist die Bezeichnung für eine Anfangszeile eines Absatzes am Kolumnen- oder Spaltenende. Das bedeutet: Wenn sich ein Absatz über mehrere Zeilen erstreckt und nur die erste Zeile des Absatzes am Spalten- oder Seitenende steht. Somit wirkt das Satzbild unschön und unruhig. Besonders bei Passagen, indem die erste Zeile eingerückt ist.

Um einen Schusterjungen zu vermeiden, muss bestmöglich eine zusätzliche Zeile dazugetextet werden. Ist dies nicht möglich, so kann durch Veränderung der Laufweite oder durch neue Trennungen eine Zeile eingebracht oder hinzugefügt werden.

Nicht schön

Eine Anfangszeile eines Absatzes am Spaltenende.

Schöner

Mindestens 2 Zeilen eines Absatzes am Spaltenende.

Das Hurenkind bzw. die Witwe

Das Hurenkind bzw. die Witwe Das Wort Hurenkind klingt schlimm und darf auch gar niemals im Satzbild vorkommen. Es ist somit eines der größten Verbote im Satzbau. Unter einem Huki versteht man die Ausgangszeile eines Absatzes am Kolumnen- oder Spaltenanfang. Steht die letzte Zeile vom mehrzeiligen Absatz am Seiten- oder Spaltenbeginn/-anfang so wird dies als ein Hurenkind bezeichnet. Grund für das Verbot: Diese Zeile sticht so sehr aus dem Satzbild hervor, damit es für den Leser störend wirkt.

Ein Hurenkind kann ebenso wie beim Schusterjunge durch ein- oder austreiben einer Zeile verhindert werden. Für mehrseitige Projekte ist dies jedoch oft nicht so einfach. Als Notlösung muss der Verfasser dem Typografen insofern behilflich sein, dass er entweder kürzt, hinzufügt oder eine zusätzliche Absatzmarke setzt.

In gut gesetzten Büchern, Zeitschriften und andere Publikationen ist ein Hurenkind fast nie sichtbar. Dem Verbot vom Schusterjungen wird oft weniger gehorsam geschenkt und ist hin und wieder zu finden (besonders in Zeitungen oder Illustrierten).

Fauxpas

Eine Ausgangszeile eines Absatzes am Spaltenanfang.

Vermeidung/Lösung

2 Ausgangszeilen eines Absatzes am Spaltenanfang sehen besser aus und sollten mindestens an dieser stehen.